In Martigny ist es schwer, über Kultur zu sprechen, ohne Léonard Gianadda zu erwähnen. Als Initiator der Stiftung, die seinen Namen trägt, hat er seine Stadt zu einem echten Treffpunkt für Kunst und Ideen gemacht – mit bedeutenden Ausstellungen, Skulpturen unter freiem Himmel und unerwarteten Begegnungen.
Ein Leben, in dem alles zum Stoff für Kreativität wird
Nichts in seinem Werdegang verläuft geradlinig, und genau das macht ihn wohl so einzigartig. Ingenieur, Journalist, Fotograf, Hobbyarchäologe, leidenschaftlicher Sammler: Léonard Gianadda hat sich stets geweigert, nur einen einzigen Weg zu wählen. Er ist sie alle gegangen, oft parallel, mit dieser beständigen Neugier auf das, was entsteht, entdeckt oder weitergegeben wird.
Als Mitglied der Académie des Beaux-Arts unter der Coupole und mehrfach ausgezeichnet – bis hin zur Ehrenlegion im Rang eines Kommandeurs – hat er seine Energie vor allem darauf verwendet, Kunst zugänglich zu machen: lebendig, fast alltäglich.
Martigny, die Stiftung und die Idee des Teilens
In Martigny ist die Fondation Gianadda weit mehr als ein Museum geworden. Es ist ein Ort, an den man ebenso zum Sehen wie zum Begegnen kommt, an dem die Werke ohne übermäßige Distanz mit dem Publikum in Dialog treten. Hinzu kommt ein diskreteres, aber ebenso wichtiges Engagement: eine soziale Stiftung, die Menschen in schwierigen Situationen unterstützt.
Ein Epikureer, der die Tafel den Reden vorzieht
Mit 88 Jahren pflegt Léonard Gianadda weiterhin eine Form schlichter Eleganz: die des geteilten Genusses. Wein gehört zu diesem Gleichgewicht, aber nie allein. Er verbindet ihn stets mit einem Moment, einer Jahreszeit, einer Tafel.
Ein gut gekühltes Glas Petite Arvine zum Aperitif, im Frühling ein Teller Spargel mit einem Fendant – und vor allem die ständige Überzeugung, dass Wein nur dann Sinn hat, wenn er etwas Echtes begleitet.
Vom Château d’Yquem zu den Walliser Weinen
Er erinnert sich an die großen Entdeckungen seiner Jugend: Sauternes wie Château d’Yquem, große Bordeaux und Burgunder, die eine ganze Generation träumen ließen. Damals wirkten Schweizer Weine in der Weinlandschaft noch eher zurückhaltend.
Heute hat sich der Blick verändert. Er verfolgt mit Interesse die Entwicklung der Walliser Weine, die es inzwischen mit den großen europäischen Referenzen aufnehmen können, ohne je zu versuchen, sie zu imitieren.
Wein als Anlass für Verbundenheit
Keine Jagd nach Seltenheiten um jeden Preis, keine starre Sammlung. Entscheidend sind der Moment und die Menschen rund um die Flasche. Eine schöne, geteilte Entdeckung ist mehr wert als ein großer Name, den man für sich behält.
In diesem Geist erzählt er gerne von seinen Momenten rund um den Wein: schlicht, spontan, oft ungeplant, aber immer mit Begegnungen verbunden.
Eine Erinnerung mit der Familie Rouvinez
Unter diesen Augenblicken bewahrt er die Erinnerung an einen besonderen Abend bei Didier de Courten zum 75. Jubiläum des Hauses Rouvinez. Eine Feier, bei der es ebenso sehr um Wein wie um Weitergabe, um gute Arbeit und um die Treue zu einer bestimmten Vorstellung von Exzellenz geht.
Und manchmal genügt inmitten eines Gesprächs eine leichte Bemerkung, um das Wesentliche zusammenzufassen: Verbindungen sind nicht immer auf den ersten Blick sichtbar, doch sie entstehen mit der Zeit – wie die schönsten Weine.