Beim Lesen des Hinweises „enthält Sulfite“ auf den Etiketten von Weinflaschen sind immer mehr Kunden irritiert und etwas beunruhigt. Ist das gesundheitsschädlich? Ist das der Grund, warum ich manchmal Kopfschmerzen bekomme, wenn ich Wein trinke?
Bei der Weinbereitung dienen Sulfite dazu, den Wein vor Oxidation zu schützen und ihn haltbar zu machen. Sulfite sind daher im Herstellungs- und Konservierungsprozess des Weins unverzichtbar.
Wenn Sie einen Apfel in zwei Hälften schneiden, wird der Kontakt mit der Luft ihm sehr schnell eine bräunliche Farbe verleihen und sein Geschmack wird stark beeinträchtigt. Wenn Sie denselben Apfel mit einem mit Sulfiten beschichteten Messer schneiden, wird Ihr Apfel nicht unter Oxidation leiden und sein Geschmack bleibt frisch und angenehm. Mit Wein verhält es sich genauso.
Der Hinweis „enthält Sulfite“ ist in der Schweiz seit 2008 auf Weinflaschenetiketten obligatorisch. Auch Produzenten von schwefelfreiem Wein kommen um diesen Hinweis nicht herum, doch meistens ist er fehlerhaft, da oft „enthält keine Sulfite“ oder „ohne Schwefel“ zu lesen ist. Dies ist falsch und täuscht den Konsumenten. Es sollte „ohne zugesetzten Schwefel“ heissen, da Wein von Natur aus Schwefel enthält.
Schwefel ist ein natürliches Produkt, das in der Natur vorkommt. Unser Körper produziert ebenfalls Sulfite (in 24 Stunden produziert er genug Sulfite, um 100 Flaschen Wein zu stabilisieren!). Die meisten Lebensmittel, die wir konsumieren, enthalten Sulfite in Form von schwefelhaltigen Aminosäuren, die in den Proteinen von Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten und Eigelb vorkommen. Knoblauch, Schnittlauch, Lauch, Kohl, Haselnüsse und bestimmte Mineralwässer enthalten ebenfalls Schwefel. Trockenfrüchte enthalten in der Regel zehnmal mehr Schwefel als Wein.
Sulfite im Wein hat es schon immer gegeben. Früher verwendete man unter anderem Schwefeldochte zur Desinfektion des Holzes und zur Vermeidung der Oxidation des Weins in den Fässern – eine Vorgehensweise, die auch heute noch bei Holzbehältern üblich ist.
Medizinisch gesehen gelten Sulfite nicht als Allergieauslöser, sondern als Lebensmittelunverträglichkeit, vergleichbar mit Laktose. Kopfschmerzen entstehen oft durch übermäßigen Alkoholkonsum.
Wie in der Vergangenheit bleiben Sulfite bis heute das beste Konservierungsmittel für Wein. Heute ist die Gesetzgebung hinsichtlich der Dosierung sehr streng. Der Sulfitgehalt in Weinen hat sich in den letzten dreißig Jahren dank einer modernen Önologie, die darauf bedacht ist, die Authentizität ihrer Weine zu bewahren, stark reduziert.