In unseren Breitengraden spricht man häufig von traditionellem Weinbau. Es handelt sich um Terroir-Weine, die auf lokalen Rebsorten, auf einer mehrere Jahrhunderte alten Geschichte und auf fest etablierten önologischen und weinbaulichen Praktiken basieren. Der Wein wird jedes Jahr einen anderen Geschmack haben, da er stark vom Klima abhängig ist. Die Winzer legen Wert darauf, die Terroir-Philosophie zu respektieren. Im Keller greifen die Önologen so wenig wie möglich ein, um die Typizität des Terroirs zu bewahren. Diese Art von Wein findet man vor allem in Europa, auch Weine der Alten Welt genannt. Diese Weine werden in der Regel von Familienbetrieben erzeugt, die selten mehr als einige Hektar umfassen. Sie stützen sich auf Tradition und Geschichte, um ihre Produkte zu vermarkten.
Im Gegensatz dazu stehen die Rebsortenweine, die Weine der Neuen Welt. Sie stammen aus Ländern, die in der Weingeschichte relativ jung sind, wie Kalifornien, Australien oder auch Argentinien und Chile. Diese Weine werden oft in industriellen Mengen produziert und bieten Jahr für Jahr die gleichen Aromen. Neben hochleistungsfähiger önologischer Ausrüstung setzen diese Kellereien auch stark auf ein kraftvolles, aggressives und eingängiges Marketing, das einen weltweiten Markt mit international anerkannten Rebsorten wie Chardonnay, Sauvignon, Merlot, Syrah oder Cabernet anvisiert. Diese Weine von übrigens sehr guter Qualität überschwemmen unsere Regionen zu konkurrenzlos günstigen Preisen.
Unsere Weinberge mit hohen Produktionskosten erlauben es uns nicht, mit diesen Giganten zu konkurrieren. Können wir in diesem Kontext noch mithalten? Die Frage bleibt offen, stellt jedoch eine echte Herausforderung für die kommenden Generationen dar.