Lange Zeit in den Hintergrund gedrängt, litt der Roséwein unter einem ungerechten Image. Als bloßer Kompromiss zwischen Rot- und Weißwein betrachtet, wurde er oft mit leichten Weinen oder gar minderer Qualität in Verbindung gebracht. Doch diese Wahrnehmung spiegelt bei weitem nicht seine Geschichte und sein wahres Potenzial wider.
Ein historisch edler Wein
Bereits ab dem 16. Jahrhundert wurde Rosé, oder vielmehr das, was ihm nahekam, in großem Umfang von der englischen und französischen Aristokratie konsumiert. Zu dieser Zeit waren Rotweine in Wirklichkeit viel heller als heute. Die Engländer nannten sie „Claret“.
Diese Weine wurden aus roten Trauben mit hellem Saft und einer sehr kurzen Maischestandzeit hergestellt. Der Saft blieb nur kurz in Kontakt mit der Traubenhaut, in der sich die Pigmente konzentrieren, was Weine mit einer hellen Farbe ergab, die unseren heutigen Rosés ähneln.
Umgekehrt gab es bereits dunklere, gerbstoffreichere Weine. Bekannt unter den Namen „vins noirs“ (Schwarzweine) oder „vins vermeils“, waren sie für einen robusteren Konsum bestimmt, insbesondere für Arbeiter, die auf der Suche nach kräftigen und nahrhaften Weinen waren.
Der Niedergang des Rosés gegenüber kräftigen Rotweinen
Im 18. Jahrhundert wandelt sich die Weinbaulandschaft. Angesichts der Konkurrenz durch dunklere und strukturiertere spanische Weine passen die Erzeuger aus Bordeaux ihren Stil an. Die Rotweine werden farbintensiver, konzentrierter und entsprechen besser den Markterwartungen.
Nach und nach werden die hellen Weine, die Vorfahren des Rosés, vernachlässigt. Dieser Trend wird sich dauerhaft etablieren, so dass der Rosé lange Zeit mit einem zweitrangigen oder gar veralteten Image assoziiert bleibt.
Die Erneuerung des Roséweins
Erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist eine echte Renaissance des Roséweins zu beobachten. Die Vinifizierungstechniken werden perfektioniert, was die Erzeugung präziserer, aromatischerer und ausgewogenerer Weine ermöglicht.
Parallel dazu ändern sich die Konsumgewohnheiten. Der Rosé ist nicht mehr nur ein Sommer- oder Aperitifwein: Er findet nun seinen Platz bei Tisch in vielfältigen Kombinationen von Speisen und Weinen, bis hin zur Gastronomie.
Ein moderner Wein zwischen Frische und Eleganz
Heute ist der Roséwein aus den Weinkellern nicht mehr wegzudenken. Ob frisch und fruchtig für einen geselligen Moment oder strukturierter als Begleiter zu einer Mahlzeit – er besticht durch seine Vielfalt und Zugänglichkeit.
Fernab der Klischees von früher erlangt der Rosé so seinen Adelsbrief zurück, indem er an eine reiche Geschichte anknüpft und sich voll und ganz in die aktuellen Weintrends einfügt.