Mit 570.000 Hektar Rebfläche ist China heute der fünftgrößte Weinproduzent der Welt. Das Land belegt auch den fünften Platz unter den weintrinkenden Ländern weltweit. Anfang des Jahres wurden die Chinesen zu den größten Rotweinkonsumenten der Welt und überholten damit die Franzosen, die diese Position seit jeher innehatten. Im Reich der Mitte liebt man Rotwein, denn die Farbe steht für Glück. Aber nicht nur deshalb. Seit der Öffnung des Landes für den Kapitalismus sind die Chinesen begeistert von Produkten aus Europa und den Vereinigten Staaten. Wein gehört dazu. Es gilt als schick, dieses edle Getränk in einem Land zu trinken, in dem Reiswein das nationale alkoholische Getränk ist.
Im Jahr 2013 konsumierten die Chinesen 1,86 Milliarden Flaschen Wein! Zwischen 2000 und 2012 stieg der Konsum um 67 %. Zudem sind die Chinesen sehr geschenkaffin; sie lieben es, Geschenke zu erhalten und zu machen. Der Austausch von Präsenten konzentriert sich auf Lebensmittel. Die junge Mutter erhält keine Babyausstattung für ihr Neugeborenes, sondern bekommt Eier geschenkt. Man fragt in China niemanden, wie es ihm geht, sondern ob er bereits gegessen hat. Essen ist zentral in der chinesischen Kultur und in sozialen Beziehungen. Die zunehmende Weinkonsumation in diesem Land erfreut daher alle, da dies ein weiteres Geschenk darstellt, das man anbieten kann. Darüber hinaus ein prestigeträchtiges Geschenk. Die Kader der Kommunistischen Partei haben dies gut verstanden, indem sie teure Weine aus Bordeaux sowie Flaschen des besten französischen Cognacs exportierten. Seit der Wahl von Xi Jinping zum Präsidenten im Sommer 2013 ändern sich die Dinge jedoch. Die neue Regierung hat eine Antikorruptionskampagne gestartet. Bereits 2013 sanken die Bordeaux-Weinexporte um 18 %. Pernod-Ricard mit seinen Marken „Martell“ und „Rémy Cointreaux“ verzeichnete einen Umsatzrückgang von 21,5 %. Frankreich hat Grund zur Sorge. Doch ist dies eine Gelegenheit und Chance, unsere Weine nach China zu exportieren?
Die Antwort ist nicht einfach. Der durchschnittliche Chinese gibt zwischen 10 und 35 Euro für eine Flasche Wein aus. Unsere Produktionskosten, zu denen noch hohe Transport- und Einfuhrzölle hinzukommen, erlauben es uns nicht, in dieser Kategorie zu konkurrieren. Unsere Weine von tadelloser Qualität sind in China nicht bekannt und bleiben daher teuer und für die meisten Chinesen unerschwinglich. Aber vielleicht ist dies ein zukünftiger Nischenmarkt? Die Zukunft wird es zeigen.
Quellen: Statistical Report on World Vitiviniculture OIV 2013 / Vinexpo & IWSR 2014 / Véronique Besson.