Vielfalt, Nähe, Verantwortung und Typizität! Zusammenfassend ist dies die neue Weinbaustrategie, welche die Branchenorganisation für Reben und Wein (IVV) bis zum Jahr 2020 anstrebt. Bisher basierte die Kommunikation hauptsächlich auf den beiden emblematischen Rebsorten des Valais: Petite Arvine und Cornalin. Fast jeder weiß heute, dass diese beiden Sorten, wie auch einige andere wie Humagne Rouge oder Heida, großartige Produkte des alten Landes sind. In diesem Sinne hat die Kommunikationsstrategie der letzten Jahre sehr gut funktioniert. Ein Beweis dafür ist der Erfolg der Offenen Weinkeller oder die zunehmende Präsenz von Walliser Weinen in der Outre-Sarine, einem der wichtigsten Märkte für Walliser Weine.
Gegner und Befürworter dieser neuen Strategie haben sich in den letzten Monaten in der Presse ausführlich geäußert, wobei die Medien ihnen einen prominenten Platz einräumten. Das ist legitim, es belebt die Debatte und lässt neue Ideen gedeihen. Es geht hier nicht darum, zu wissen, ob man für oder gegen diese neue Politik ist. Die Absicht ist es, das eine oder andere Element aus diesem Dokument herauszugreifen und zu versuchen, es in eine Zukunftsperspektive zu rücken. Beim Durchlesen des 16-seitigen Dokuments (Sie finden das Dossier leicht auf Google, wenn Sie „viti2020“ eingeben) stellt man fest, dass das Valais logischerweise – und das ist erfreulich – weiterhin sehr stark mit seiner Identität verbunden bleibt.
Es werden jedoch einige Wege vorgeschlagen, die genutzt werden können, um sich der Welt zu öffnen. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Rebsorten, der Vielzahl an Böden und Mikroklimata, der verschiedenen Appellationen und der Grands Crus schlägt die IVV insbesondere die Einführung eines „Label Marke Valais“ vor. Dieses Unterscheidungsmerkmal könnte eine Plakette sein, auf der ein QR-Code angebracht wird, um Informationen zur Rückverfolgbarkeit und zu den Eigenschaften des Weins zu verbreiten. Da die Marke Valais bereits für andere Produkte existiert, wäre die Verbindung zur Walliser Vielfalt schnell hergestellt. Eine letztlich sehr einfache Sache, die jedoch große Auswirkungen haben kann, ähnlich wie bei den Österreichern, die eine markante Banderole für alle Qualitätsweine eingeführt haben. Weinliebhaber erkennen dieses Label heute auf den ersten Blick, das bei unseren Nachbarn zu einem klaren Qualitätszeichen für Weine geworden ist. Dabei war dieses Land nach dem Frostschutzmittel-Skandal von 1985 tief gefallen.
In einem ganz anderen Bereich, der aber ebenfalls mit einer Politik der Vielfalt zu tun hat, lässt sich der spektakuläre Aufstieg der Weine im Languedoc-Roussillon (Südfrankreich) beobachten, das lange Zeit mit einer extrem komplizierten Gesetzgebung und einer Vielzahl von Appellationen belastet war. Der Verbraucher fand sich nicht mehr zurecht. Die Winzer des Languedoc schufen 2007 die Appellation AOC Languedoc, die die gesamte Region umfasst und gleichzeitig die Vielfalt jedes Teils dieses riesigen Weinbaugebiets respektiert. Mit einer bissigen und selbstbewussten Werbung verkünden die Languedoc-Winzer heute auf ihrer offiziellen Website, dass weltweit 61 Flaschen Wein pro Sekunde verkauft werden!
Praktisch kein Weinland verbindet seinen Wein nur mit einer oder mehreren dieser dominierenden Rebsorten. Ob Weintourismus im Piemont oder in der Toskana, die von jungen Winzervereinigungen im Rheingau initiierte Renaissance des Riesling in Deutschland oder die Politik der Schraubverschlüsse bei Spitzenweinen in Australien – überall bewegt sich die Weinwelt, entwickelt sich weiter und verbindet ihre edlen Tropfen mit der Geschichte, dem kulturellen Reichtum ihres Landes und ihrer Vielfalt. Mit dieser neuen Weinbaupolitik ist das Valais auf dem richtigen Weg! Dem Weg der Öffnung in der Vielfalt.